Meine Grosseltern


Erinnerungen an Grosseltern sind zunächst Kindheitserinnerungen an alte Menschen. Was aber wissen wir von früher, als die Grosseltern jung waren? Sie sind unsere persönlichste Verbindung in eine Vergangenheit, die wir nur aus Filmen und Büchern kennen. Aber wie lebten und liebten die Grosseltern in jener Zeit? Und, was ist uns davon geblieben? Im Langzeitprojekt «Meine Grosseltern» geht Mats Staub diesen Fragen nach, in dem er Enkelinnen und Enkel verschiedensten Alters zum Gespräch bittet.

Mit seinem Erinnerungsbüro ist er seit 2008 von Stadt zu Stadt unterwegs – dabei entstehen ein ständig wachsendes, internationales Archiv subjektiver Geschichten und eine Sammlung von Fotografien, die die Grosseltern in jungen Jahren zeigen. An jeder Station wird eine spezifische Auswahl der bislang gut 300 Erzählungen als Audio-Ausstellung präsentiert, zugleich werden im Erinnerungsbüro vor Ort neue Geschichten gesammelt.

Die Audio-Ausstellung blickt auf die Verwerfungen des 20. Jahrhunderts, aber sie stellt die Generation der Nachgeborenen ins Zentrum: Die Enkelinnen und Enkel erzählen nicht als Zeitzeugen, sondern von einer Zeit, die sie nur vom Hörensagen kennen – sie konstruieren eine Erzählung aus ihren Erinnerungen an Erzählungen. Die Audio-Ausstellung führt in einen Kosmos spannender und spekulierender Geschichten – und sie stellt zugleich persönliche Fragen nach Herkunft und Identität, Erinnern und Vergessen, Legende und Wahrheit.

Bisherige Stationen:

Bern, Festival Auawirleben, April 2008
Zürich, Theaterspektakel, August 2008
Basel, Theater Basel, September 2008
Solothurn, Theater Biel Solothurn, April 2009
Wien, Wiener Festwochen, Mai 2009
Hannover, Festival Theaterformen, Juni 2009
Chur, Theater Chur, November 2009
Genf, Festival Trans / Mamco, Februar 2010
Bern, Museum für Kommunikation, September 2010
Hamburg, Schauspielhaus Hamburg, Oktober 2010
Aarau, Stadtmuseum / Kunsthaus, Oktober 2010
Liestal, Museum.BL, April – Dezember 2011
Stans, Salzmagazin / Niedwaldner Museum März – Juni 2012
Frankfurt, Historisches Museum Sept 2012 – Februar 2013
Stuttgart, Stadtmuseum im WilhelmspalaisMärz – April 2013


Credits


«Nur gute Geschichten»

Portrait zur Audio-Ausstellung in Frankfurt
Frankfurter Rundschau, 12.09.2012

«Eine Audio-Ausstellung. Aus der Zeit gefallen wie der Künstler selbst. (Fast) keine Objekte, keine verbrieften Wahrheiten, einzig die Erinnerung von ganz gewöhnlichen Menschen. Als gesprochenes Wort hörbar über einen iPod. Enkel sprechen über ihre Großeltern. Kann so ein Konzept funktionieren? Und ob. (…) Reizvoll sind die Geschichten, weil Brüche nicht nur sicht-, sondern gerade auch hörbar werden. Im Gegensatz zum Körper gelingt es der Stimme oftmals nicht, das Innenleben der Person zu verbergen. So lässt der Ton als Medium Intimität beim Zuhören entstehen. Die Bruchstellen der mal mehr, mal weniger bewusst reflektierten Geschichten lassen spürbar werden, dass es jetzt der Erzähler selbst ist, der auf sein Wissen, seine Erfahrung zurückgreift, um die eigentlich nicht schliessbaren Lücken mit seiner persönlichen Logik zu verkitten. Und der Zuhörende beginnt, seine eigene Geschichte zu reflektieren, seine eigene Herkunft, sein eigenes Erinnern und Vergessen.»

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.01.2013

«Beim Zuhören entstehen Bilder fremder Menschen, und erstaunlicherweise (re)konstruiert man dabei auch die Erinnerung an die eigenen Grosseltern. Sehr merkwürdig: Die Beschäftigung mit dem Schicksal ganz fremder Menschen führt zurück zur eigenen Geschichte. Was als Besuch bei Fremden beginnt, wird zu einer Art Selbstvergewisserung.»

Theater heute, 8/9 2009

«Je länger man sich durch die Geschichten von Krieg, Eisernem Vorhang und Ehealltag zappt, desto heilloser scheinen sich Erinnerungen und Legenden zu verstricken, sodass man letztlich über die Grosseltern genauso viel erfahren hat wie über die Verdrän- gungs- und Mythologisierungsstrategien ihrer Enkel. Vor allem aber gelingt es Staub, beiläufig das Verhältnis zwischen Individuellem, System- und Generationstypischem herauszuarbeiten.»

Der Tagesspiegel, 17.06.2009

«Die Stimmen aus den Kopfhörern vermitteln eine besondere Intimität. Der Sprachduktus der Erzähler und ihr Hang zur Interpretation machen das Zuhören zu einem persönlichen Erlebnis, zu einem Lauschen ins Private, das hier unvermeidlich politisch wird.»

Der Standard, 27.05.2009

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Meine Großeltern, Audio-Ausstellung. Bern, Museum für Kommunikation, September 2010
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Erinnerungsbüro Hamburg: Hotel Reichshof, Oktober 2010 – im Rahmen des Festivals 'Herzrasen' des Schauspielhaus Hamburg
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Bureau des souvenirs, Genève: Mamco (musée d’art moderne et contemporain), Februar 2010 – im Rahmen des Festivals 'TRANS II' des Théâtre du Grütli
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Erinnerungsbüro Hannover: Cumberlandsche Galerie, Juni 2009 – im Rahmen des Festivals 'Theaterformen'
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Erinnerungsbüro Wien: Kunsthalle Wien, Mai 2009 – im Rahmen der Wiener Festwochen
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Erinnerungsbüro Solothurn: Theater Solothurn, Dachstock, April 2009
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Erinnerungsbüro Basel: Theater Basel, Klosterberg, September 2008